Wanderung & Migration

Deutsche vs. Ausländer: Warum beide Gruppen in völlig verschiedene Bundesländer ziehen

Wenn Menschen in Deutschland den Wohnort wechseln, folgen Deutsche und Zugewanderte ganz unterschiedlichen Mustern. Der Unterschied ist nicht zufällig — er spiegelt tiefe strukturelle Ungleichheiten wider.

Aktualisiert Juli 2026  |  Bevölkerung & Soziale Lage
Zahlen im Überblick
2,8 Mio.
Menschen wechselten allein 2021 ihren Wohnsitz über Kreisgrenzen hinweg
3,3 %
der Gesamtbevölkerung verlagerte 2021 ihren Wohnsitz in einen anderen Kreis
77 %
der West-Ost-Umziehenden 2022 waren im Erwerbsalter zwischen 18 und 64 Jahren
seit 2017
ziehen erstmals dauerhaft mehr Menschen vom Westen in den Osten als umgekehrt
74,3 %
Erwerbsquote bei Zugewanderten aus EU- und angelsächsisch geprägten Ländern

Zwei Gruppen, zwei Deutschlandkarten

Wer in Deutschland umzieht, wählt seinen neuen Wohnort nicht zufällig. Hinter den Bewegungen stecken Erwartungen, Netzwerke und wirtschaftliche Zwänge — und diese unterscheiden sich je nach Herkunft erheblich. Deutsche Binnenwanderer und Zugewanderte aus dem Ausland folgen dabei so unterschiedlichen Mustern, dass man beinahe von zwei verschiedenen inneren Landkarten sprechen könnte.

Deutsche Binnenwanderer zieht es zunehmend in Richtung Osten und in ländlich geprägte Regionen wie Brandenburg oder Schleswig-Holstein. Zugewanderte dagegen orientieren sich stärker auf dicht besiedelte westdeutsche Verdichtungsräume — allen voran Nordrhein-Westfalen. Dieser Unterschied ist kein Zufall, sondern Ergebnis von Netzwerkeffekten, Arbeitsmarktzugang und der Logik sozialer Unterstützungsstrukturen.

Das hat Folgen: Für die regionale Entwicklung, für den Wohnungsmarkt, aber auch dafür, wie Migration und Armut räumlich zusammentreffen. Wer die Muster kennt, kann die sozialen Folgen besser einordnen.

Kurzantwort: Deutsche und Zugewanderte wählen beim Wohnortwechsel systematisch unterschiedliche Regionen. Deutsche ziehen häufiger in ostdeutsche Länder und landschaftlich attraktive Randgebiete; Zugewanderte konzentrieren sich auf bevölkerungsreiche Bundesländer im Westen. Diese Trennung hat strukturelle Ursachen.

Die Binnenwanderung in Deutschland: stabiler als gedacht

Innerdeutsche Wanderung ist keine Ausnahme, sondern Normalzustand. Über Jahrzehnte hinweg hat sich eine bemerkenswerte Kontinuität gezeigt: Im Zeitraum von 1991 bis 2019 verlagerten im Jahresdurchschnitt etwas mehr als drei Prozent der Bevölkerung ihren Wohnsitz in einen anderen Kreis. Nur in den Jahren 2015 und 2016 — als Schutzsuchende in großer Zahl nach Deutschland kamen — lag dieser Wert mit knapp über vier Prozent merklich höher.

Im internationalen Vergleich ist Deutschland damit ein moderat mobiles Land. Nordeuropäische Gesellschaften wie Finnland oder Dänemark zeigen deutlich höhere Umzugsraten; südeuropäische Länder wie Spanien oder Italien liegen darunter. Deutschland bewegt sich in einem mittleren Bereich — was bedeutet, dass Umzüge zwar häufig, aber in der Regel durchdacht sind.

Dieses Gesamtbild verdeckt jedoch, dass sich die Richtungen der Wanderungsbewegungen in den letzten Jahren spürbar verschoben haben. Und genau hier zeigen sich die tiefsten Unterschiede zwischen deutschen Staatsbürgern und zugewanderten Bevölkerungsgruppen.

Kurzantwort: Deutschland ist ein moderat mobiles Land: Rund drei Prozent der Bevölkerung wechseln jährlich den Wohnort über Kreisgrenzen hinweg. Dieses Grundniveau ist seit Jahrzehnten stabil — doch die Richtungen der Bewegungen verändern sich.

Die neue Ost-West-Bewegung: Deutsche ziehen in den Osten

Wer an innerdeutsche Wanderung denkt, denkt reflexartig an den Exodus aus dem Osten nach 1990 — Millionen junger Menschen, die Sachsen, Thüringen oder Mecklenburg-Vorpommern verließen, um in den westdeutschen Zentren Arbeit und Perspektive zu finden. Diese Erzählung hatte lange Zeit ihre Berechtigung. Noch 2016 verließen mehr Menschen den Osten in Richtung Westen, als in umgekehrter Richtung kamen — ein Abwanderungsüberschuss von fast 15.000 Personen.

Doch dann kehrte sich das Bild um. Seit 2017 ziehen durchgängig mehr Menschen aus Westdeutschland in die ostdeutschen Bundesländer als umgekehrt — und das nicht als kurze Unterbrechung, sondern als anhaltender Trend. Im Jahr 2022 zogen aus dem Westen in den Osten insgesamt rund 90.600 Menschen. Davon waren 77 Prozent zwischen 18 und 64 Jahre alt — also im erwerbsfähigen Alter. Ein Drittel war sogar jünger als 30 Jahre.

Was zieht sie? Günstigere Mieten, mehr Platz, eine andere Lebensqualität — und ein Ostseeküstenabschnitt oder eine mecklenburgische Seenlandschaft, die sich für viele als Alternative zum teuren Westen anfühlt. Brandenburg profitiert dabei besonders stark von seiner Nähe zu Berlin: Familien und jüngere Erwachsene, die sich Berliner Mieten nicht mehr leisten können, suchen im Berliner Umland ein Zuhause. Das hängt direkt mit der Entwicklung des Wohnungsmarktes zusammen — auch das Thema Lebenshaltungskosten und Inflation spielt eine wachsende Rolle bei solchen Entscheidungen.

Kurzantwort: Seit 2017 zieht mehr westdeutsche Bevölkerung in den Osten als umgekehrt. Unter den gut 90.000 West-Ost-Umziehenden im Jahr 2022 waren drei Viertel im Erwerbsalter — ein Zeichen, dass der Osten als Lebensraum neu bewertet wird.

Zugewanderte: NRW und die westdeutschen Zentren als Gravitationszentren

Zugewanderte folgen einer anderen Logik. Wer aus einem anderen Land nach Deutschland kommt, wählt seinen ersten Wohnort selten frei — er ist oft vorgegeben durch Behörden, durch Verwandte, die schon da sind, oder durch Arbeitgeber, die gesucht haben. Daraus entstehen Konzentrationen, die sich über Jahrzehnte verfestigen.

Nordrhein-Westfalen ist das bekannteste Beispiel: Durch den Anwerbevertrag der frühen 1960er-Jahre entstanden dort große Migrationsgemeinschaften aus der Türkei und Südeuropa. Diese Netzwerke existieren bis heute — und sie ziehen weiterhin Neuankömmlinge an. Wer Verwandte in Duisburg oder Köln hat, beginnt oft auch dort. Das gilt für Arbeitsmigration ebenso wie für Kettenwanderung innerhalb von Geflüchteten-Communitys.

Hinzu kommt, dass westdeutsche Ballungsräume strukturelle Vorteile für neu Ankommende bieten: dichtere Unterstützungsinfrastruktur, mehr Beratungsstellen, größere Communities in der eigenen Sprache, mehr Zugänge zum informellen Arbeitsmarkt. Wer wenig Netzwerk und wenig Sprache mitbringt, geht dorthin, wo die Hürden kleiner sind.

Das erklärt auch, warum Zugewanderte in den Statistiken zur Wohnungslosigkeit nach Bundesländern vor allem in den westdeutschen Großstädten erscheinen. Dichte Städte bieten mehr Hilfe — aber auch mehr Druck auf dem Wohnungsmarkt. Wer sich keine Wohnung leisten kann, taucht in der städtischen Wohnungslosigkeit auf — und nicht in ländlichen Gebieten, wo günstigerer Wohnraum zwar vorhanden wäre, aber keine Infrastruktur.

Kurzantwort: Zugewanderte konzentrieren sich auf westdeutsche Ballungsräume, besonders NRW. Familiäre Netzwerke, Unterstützungsinfrastruktur und historisch gewachsene Communitystrukturen machen diese Regionen zum bevorzugten Ziel — unabhängig von Mietpreisen oder Wohnraumverfügbarkeit.

Was die Wanderungsmuster mit Armut zu tun haben

Wanderung ist nie sozial neutral. Wer zieht, entscheidet sich — aber diese Entscheidung ist nicht für alle gleich frei. Deutsche Binnenwanderer, die im Erwerbsalter von West nach Ost ziehen, tun das meist aus Wahl: günstigeres Leben, Natur, Homeoffice-Möglichkeiten. Sie bringen in der Regel Ressourcen mit.

Bei Zugewanderten sieht das oft anders aus. Viele kommen mit wenig Kapital, ohne anerkannte Abschlüsse, mit begrenzten Sprachkenntnissen. Ihre Wanderungsentscheidung ist stärker durch Zwänge geformt: Auflagen der Behörden, fehlende Alternativen, Kettenwanderung zu Verwandten. Die Folgen zeigen sich in der Einkommensstatistik: Die Einkommensungleichheit unter Personen mit Migrationshintergrund ist deutlich größer als in der Gesamtbevölkerung. Herkunftsland, Bildungsabschluss und Einreisezeitpunkt machen dabei erhebliche Unterschiede.

Besonders stark trifft das Frauen mit Einwanderungsgeschichte aus Ländern außerhalb der EU, EFTA und des angelsächsischen Raums. Ihre Erwerbsquote lag mit 54,7 Prozent deutlich unter der ihrer männlichen Pendants — und fast zwanzig Prozentpunkte unter den Männern derselben Gruppe. Für Armut am Arbeitsmarkt ist das ein zentraler Faktor: Wer nicht erwerbstätig ist, ist strukturell gefährdet — und bleibt in vielen Fällen auf Mindestsicherungsleistungen angewiesen.

Demgegenüber zeigen Zugewanderte aus EU- und EFTA-Staaten sowie aus angelsächsisch geprägten Ländern eine Erwerbsquote von 74,3 Prozent — vergleichbar mit dem deutschen Durchschnitt. Wanderungsmuster und wirtschaftliche Integration hängen also eng zusammen: Wer in vernetzten westdeutschen Städten landet, findet leichter Arbeit. Wer in strukturschwache Regionen verteilt wird, hat es schwerer.

Kurzantwort: Wanderungsentscheidungen spiegeln Ungleichheit wider. Während deutsche Binnenwanderer aus freier Wahl ziehen, folgen viele Zugewanderte strukturellen Zwängen. Das beeinflusst Erwerbsteilhabe und Armutsrisiko erheblich — besonders bei Frauen mit Einwanderungsgeschichte aus Nicht-EU-Ländern.

Wanderung und Wohnungslosigkeit: die städtische Konzentration

Ein besonders scharfes Bild ergibt sich bei der Wohnungslosigkeit. Menschen, die keine Unterkunft haben, finden sich nicht gleichmäßig über das Land verteilt — sie konzentrieren sich in größeren Städten. Das gilt sowohl für deutsche als auch für nichtdeutsche Wohnungslose.

Für zugewanderte wohnungslose Menschen gibt es Hinweise darauf, dass ein Teil direkt wohnungslos aus dem Ausland einreist und sich von Anfang an in Richtung Großstädte orientiert — weil dort die Infrastruktur der Wohnungslosenhilfe vorhanden ist, weil Communities da sind, weil die Chancen auf informelle Unterstützung besser sind. In ländlichen Regionen hingegen — wo günstigere Wohnungsmärkte existieren — fehlt genau diese Infrastruktur. Die Folge: Wer es ins Umland schafft, überwindet Wohnungslosigkeit schneller. Wer in der Großstadt bleibt, riskiert, dauerhaft auf der Straße zu leben.

Dieses Muster hat politische Konsequenzen. Wenn Hilfsinfrastruktur auf Ballungsräume konzentriert bleibt, während Wohnraum dort immer teurer wird, entsteht eine strukturelle Falle. Der Widerspruch zwischen Wohnraum- und Hilfeangebot ist eine der zentralen Herausforderungen — mehr dazu auch im Artikel zur Wohnungslosigkeit in Deutschland.

Kurzantwort: Wohnungslose — deutsche wie nichtdeutsche — konzentrieren sich in Großstädten, weil dort Hilfsinfrastruktur vorhanden ist. Günstigerer Wohnraum auf dem Land hilft wenig, wenn dort keine Unterstützung erreichbar ist. Diese strukturelle Lücke verhindert die Überwindung von Wohnungslosigkeit.

Der Vergleich im Überblick

Merkmal Deutsche Binnenwanderer Zugewanderte aus dem Ausland
Bevorzugte Zielregionen Brandenburg, Schleswig-Holstein, ostdeutsche Länder NRW, Bayern, Ballungsräume im Westen
Hauptmotiv Wohnqualität, günstigere Mieten, Natur, Homeoffice Familiennetzwerke, Communitystrukturen, Arbeitsmarkt
Entscheidungsfreiheit Hoch — freiwillige Wanderung überwiegt Eingeschränkt — Behördenvorgaben, Zwänge
Altersstruktur 77 % im Erwerbsalter (18–64); 33 % unter 30 Variabel, stark abhängig von Migrationsgrund
Armutsrisiko Gering bis mittel (Wahlwanderung mit Ressourcen) Deutlich erhöht — vor allem bei Frauen aus Nicht-EU-Ländern
Erwerbsquote Deutscher Durchschnitt 54,7–74,3 % je nach Herkunftsregion

Was das für die Gesellschaft bedeutet

Die unterschiedlichen Wanderungsmuster verstärken sozialräumliche Spaltungen, wenn keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Deutsche, die aus Wahlmotiven in den Osten ziehen, bringen Kaufkraft, Steuereinnahmen und Dynamik. Zugewanderte, die durch Netzwerklogik in westdeutsche Städte gelenkt werden, konzentrieren sich dort — oft in Stadtteilen mit schlechter Infrastruktur, hohem Mietdruck und hohem Armutsrisiko.

Die soziale Segregation in Städten ist dabei kein ethnisches, sondern ein ökonomisches Problem: Wer wenig Geld hat, wohnt dort, wo Wohnraum günstig ist — und das sind oft Quartiere mit geringer Qualität, schlechter Anbindung und fehlenden Bildungsangeboten. Das wirkt sich auf Kinderarmut und Bildungsarmut gleichermaßen aus — und verstetigt Ungleichheit über Generationen.

Dabei gilt: Wanderung an sich ist keine Bedrohung — sie ist eine gesellschaftliche Normalität. Deutschland hat seit Jahrzehnten Erfahrung damit, mobile Bevölkerungen zu integrieren. Das Problem entsteht dort, wo Mobilität unter Zwang geschieht und Strukturen fehlen, die Menschen beim Ankommen unterstützen.

Wer mehr über den Zusammenhang zwischen Einkommen, Migration und Integration erfahren möchte oder die sozialen Ungleichheiten in Deutschland in der Breite verstehen will, findet auf dieser Website datengestützte Hintergrundartikel dazu.

Kurzantwort: Die verschiedenen Wanderungsmuster von Deutschen und Zugewanderten verstärken räumliche Ungleichheit. Wenn Ressourcen, Infrastruktur und bezahlbarer Wohnraum ungleich verteilt sind, schreibt sich Armut in städtische Geografie ein — und das betrifft Kinder, Bildung und gesellschaftliche Teilhabe zugleich.
Fakten-Box: Wanderungsmuster im Überblick
Definition
Binnenwanderung bezeichnet Wohnortwechsel über Kreisgrenzen innerhalb Deutschlands; Außenwanderung umfasst Zu- und Fortzüge über die deutschen Staatsgrenzen hinweg.
Umfang
Rund 2,8 Millionen Menschen wechselten 2021 ihren Wohnsitz über Kreisgrenzen — gut 3,3 Prozent der Gesamtbevölkerung.
Trend West-Ost
Seit 2017 ziehen erstmals dauerhaft mehr Menschen aus dem Westen in die ostdeutschen Bundesländer als umgekehrt. 2022 waren es rund 90.600 West-Ost-Zuzüge, davon 77 Prozent im Erwerbsalter.
Erwerbsteilhabe nach Herkunft
Zugewanderte aus EU/EFTA und angelsächsischen Ländern: 74,3 % Erwerbsquote. Aus anderen Herkunftsländern: 64,5 %. Frauen aus diesen Ländern: nur 54,7 %.
Häufige Ursachen für konzentrierte Zuzüge
Familiäre Netzwerke, historisch gewachsene Communitystrukturen (z. B. NRW seit den 1960ern), Behördenzuweisungen bei Geflüchteten, Infrastruktur der Sozialhilfe in Ballungsräumen.
Häufiges Missverständnis
Viele glauben, Zugewanderte wählen frei ihren Wohnort in reichen Städten. Tatsächlich sind ihre Entscheidungen oft durch Behördenvorgaben, fehlende Netzwerke außerhalb der Ballungsräume und die Notwendigkeit, Communitys zu erreichen, stark eingeschränkt.

Häufige Fragen zu Wanderungsmustern in Deutschland

Warum ziehen Deutsche bevorzugt nach Brandenburg und Schleswig-Holstein?

Beide Regionen bieten günstigere Mieten als westdeutsche Metropolen, gute Naturerreichbarkeit und — im Fall Brandenburgs — eine enge Pendlerverbindung zu Berlin. Mit der Ausbreitung von Homeoffice-Arbeit wurde die Nähe zur Großstadt wichtiger als die Lage inmitten einer Großstadt. Viele junge Familien und unter-30-Jährige wählen diesen Weg, wie die Wanderungsstatistiken zeigen.

Warum konzentrieren sich Zugewanderte stärker in NRW als in anderen Bundesländern?

Nordrhein-Westfalen hat durch die Anwerbeabkommen der 1960er-Jahre früh große Communitys aus der Türkei und Südeuropa aufgebaut. Diese Netzwerke ziehen bis heute Neuankömmlinge an, weil Verwandte, Sprachgemeinschaften und Unterstützungsstrukturen vor Ort sind. Wer wenig Ortskenntnis und Sprache mitbringt, folgt etablierten Wegen.

Hat sich die Ost-West-Wanderung wirklich umgekehrt?

Ja — seit 2017 ist der Trend dauerhaft umgekehrt. Noch 2016 wanderten fast 15.000 Menschen mehr von Ost nach West als umgekehrt. Seitdem überwiegen die Zuzüge aus dem Westen in die ostdeutschen Bundesländer. Besonders deutlich war das 2022 mit rund 90.600 West-Ost-Zuzügen, von denen drei Viertel im Erwerbsalter lagen.

Welche Rolle spielt Wanderung für Armut und Wohnungslosigkeit?

Wanderung unter Zwang — ob durch Behördenentscheidungen, fehlende Alternativen oder Kettenwanderung — erhöht das Armutsrisiko. Wer in überteuerte Großstadtmieten gelenkt wird, ohne über ausreichendes Einkommen zu verfügen, gerät schneller in Wohnungsnot. Gleichzeitig konzentriert sich Hilfsinfrastruktur auf Städte — was zwar Zugang zu Beratung bietet, aber den Wohnungsmarktdruck verstärkt.

Warum sind Frauen mit Einwanderungsgeschichte besonders gefährdet?

Frauen aus Ländern außerhalb der EU, EFTA und des angelsächsischen Raums haben eine deutlich niedrigere Erwerbsquote als Männer derselben Gruppe — knapp 55 Prozent gegenüber 74 Prozent. Das liegt an einer Kombination aus familiären Rollenbildern, fehlendem Zugang zu Kinderbetreuung, sprachlichen Hürden und strukturellen Barrieren am Arbeitsmarkt. Wer nicht erwerbstätig ist, ist strukturell von Unterstützungsleistungen abhängig und damit armutsgefährdet.